Baum-Entdecker-Forum – Oktober 2021

Scheibe-Alsbach, Thüringer Wald - 22. Oktober 2021

Alte Bäume des Thüringer Walds

Der Stammumfang des Bergahorns bei Scheibe-Alsbach mit seinem mächtigen Stammsockel liegt bei ca. 5,50 m. Nationaler Baum-Entdecker: Stefan Kühn, Deutsches Baumarchiv. >>

Im Goldenen Oktober zieht es bei Sonnenschein die Wanderer in Scharen in den Thüringer Wald. Der berühmte Rennsteig (lokal auch als „Rennweg“ bekannt) und so manche Nebenstrecke lockt die Naturfreunde in das beliebte Mittelgebirge. Und auch für Baumfreunde gibt es Erstaunliches zu entdecken. Im „Oberland“ von Scheibe-Alsbach wächst, passend für die Gebirgslage, ein noch wenig bekannter Bergahorn mit bemerkenswert wuchtigem Stamm-sockel. Der Stamm ist (in 1m über halber Hanghöhe, somit leicht oberhalb des Sockels) gut 5,50 m stark. Daraus entwickelt sich eine vitale, im übrigen ganz konventionelle Baumkrone. Der Standort liegt beinahe 650 m hoch. Auf der Anhöhe gegenüber, in 740 m Höhe, verläuft der bereits genannte Rennsteig, und da, genauer gesagt bei Limbach, steht ein weiterer sehenswerter Baum. Seine Krone ist eindrucksvoll, schon von Weitem erkennbar, für die Baumart auffallend dicht, hoch und breit. Es ist eine Esche, die sich hier in ihrer Bestform entfalten konnte. Eine Messung auf Privatgrund war nicht möglich, doch von über 4,50 m Umfang ist auszugehen. Das ergibt im Bündel mit der herrlichen Krone und dem extrem markanten Standort zweifellos die nationale Bedeutsamkeit! Andere Baumschätze des Thüringer Waldes stehen weitaus versteckter. Man muss sie suchen, um sie zu finden. So etwa die charaktervolle Waldkiefer (Pinus sylvestris) am Seerosenteich bei Jesuborn. Ihr Standort ist geradezu idyllisch. Entlang des Dammes,  auf dem der Rundweg um den See verläuft, stehen..
..zahlreiche markante Kiefern. Und beim Besuch wurden wir von leuchtend gelben Zitterpappeln begrüßt, wie man sie nur aus dem „Indian Summer“ Kanadas zu kennen meint. Auch der Biber ist in diese kleine Seenlandschaft zurückgekehrt. An mehreren Stellen sind Fraßspuren an der Basis junger Bäume zu sehen. Und gerade die weichholzigen Zitterpappeln scheinen es dem kräftigen Nager besonders angetan zu haben. Die 1-stämmige Kiefer hat einen borkigen Stamm von knapp 3,80 m Umfang, fächert zunächst in vier Achsen, sodann – mit zunehmender Höhe und wenn man einen abgebrochenen Ast mitzählt – in insgesamt sieben urige Äste auf. Kleinkariert könnte man hier von einem nur regional besonderen Baum reden, denn die 4-m-Grenze wird beim Stammumfang noch nicht ganz erreicht. Doch auch hier greift letztlich die Ästhetik!
 

Links – Waldkiefer bei Jesuborn | Mitte – Blick über den Seerosenteich | Rechts – Esche bei Limbach

Wiesach, Allgäu - 8. Oktober 2021

Alpine Wetterfichte

Und noch ein weiterer Reisebericht von Uwe Kühn aus Deutschlands alpinem Süden: 
„Die Spur, der ich folgte, war eigentlich eine ganz andere: im Bergwald oberhalb Gunzesried-Säge, nahe der Kapelle Wiesach, erwartete ich eine Ansammlung alter Bergahorne, von denen einer bekanntermaßen mehr als fünf Meter Stammumfang erreicht. Alte Bäume in dieser Höhenstufe sind immer ein lohnendes Ziel. Diesmal hatte ich mir unten im Tal nicht die Wanderstiefel geschnürt, sondern war mit dem Mountainbike unterwegs. Auch wenn ich diese Sportart mit Leidenschaft ausübe, die steilen Hänge forderten Durchhalte-vermögen – zumal ich außer der sonst auf den Trails üblichen Bekleidung und Ausrüstung noch den Foto-Rucksack samt Stativ auf dem Rücken hatte. Doch noch bevor ich einen..
Entdeckung im Bergwald: Der Weg zum angestrebten Bergahorn führte unerwartet an zwei imposanten Wetterfichten vorbei, beide über 5 m stark.

..ersten Ahorn zu Gesicht bekam, blieb mein Blick an der markanten Gestalt einer Fichte hängen. Neben mehreren mehr als 3 Meter starken Exemplaren wurzelte ein wahrer Fichtengigant! Eine Wetterfichte mit einem Stammumfang von 5,18 m. Nur wenige hundert Meter entfernt stieß ich auf eine zweite dicke Fichte. Die Messung des Stammumfangs in 1 m über dem angenommenen Keimpunkt war jedoch wegen des zerklüfteten Untergrunds eine Herausforderung. Die Erstvermessung ergab den Stammumfang von 5,48 m! Beeindruckend. Die Bergahorne weiter oben waren dann nur noch zu Fuß zu erreichen, wobei ich einräumen muss, dass die gewaltigen Fichten am Ende den stärkeren Eindruck hinterlassen haben.

<< Zwei dicke Wetterfichten stehen am Berghang nahe Kapelle Wiesach, Stammumfang 5,18 und 5,48 m. Nationaler Baum-Entdecker: Uwe Kühn, Deutsches Baumarchiv.

Onstmettingen, Schwäbische Alb
Baden-Württemberg - 5. Oktober 2021

Verborgene Uralt-Buche

„Hutebuchen“ oder „Weidbuchen“ wachsen besonders oft in den Höhenlagen der süddeutschen Mittelgebirge, der Rhön oder auch im nordhessischen Bergland. Auf – bis in die heutige Zeit hinein – extensiv bewirtschafteten Weideflächen begegnen uns diese knorrigen Baumgestalten. Rund um Albstadt auf der Schwäbischen Alb, in über 900 m Höhe, haben etliche Weidbuchen überdauert. In dieser abgelegenen Region, wo für Kraftfahrzeuge die Fahrt zu Ende ist, wird das Fahrrad zum idealen Verkehrsmittel. Auf einer seiner zivilisationsfernen Radtouren war Uwe Kühn, Deutsches Baumarchiv (Süd), in Onstmettingen, einem Stadtteil von Albstadt, unterwegs. Hier der Bericht: „In älteren Karten ist bei Onstmettingen noch die so genannte Freuleinsbuche verzeichnet. Doch die gibt es schon seit Jahren nicht mehr. Dafür entdeckte ich diese unglaublich mächtige Buche unterhalb des Burgberges! Mit einem Stammumfang von 7,80 m rutscht dieser Baum in die Spitzengruppe vergleichbarer Hutebuchen. Der monumentale, für Weidbuchen typisch mehr-
Entdeckung im Gebirge: in 900 m Höhe steht die Hutebuche von Onstmettingen, Stammumfang 7,80 m. Nationaler Baum-Entdecker: Uwe Kühn

kernige Stamm (Hutebuchentypus) bildet eine dichte Krone aus wild aufstrebenden Ästen und Zweigen. Die sonst oft so glatte silbergraue Borke ist besonders im unteren Stammbereich schroff und rissig. Die Rückseite des Stammes ist offener und von jungen Wasserreisern geprägt. Dadurch gestaltete sich die Vermessung des kolossalen Stammes nicht ganz einfach.“